Deutsche in Rumänien

Mitte des 12. Jahrhunderts kamen erstmals deutsche Kolonisten nach Siebenbürgen, die wahrscheinlich aus der Mittelrheingegend, aus Luxemburg und aus Süddeutschland stammten. Sie ließen sich in der Region um das heutige Hermannstadt (Sibiu) nieder. Weitere deutsche Einwanderer kamen zu Beginn des 13. Jahrhunderts nach Nordsiebenbürgen sowie in den Karpatenbogen bei Kronstadt (Brasov). Seit Ende des 13. Jahrhunderts wurden die deutschen Kolonisten als Sachsen bezeichnet, wobei dieser Name nichts mit der Region Sachsen zu tun hat.

Außer in Siebenbürgen lebt in Rumänien auch im Banat eine deutsche Minderheit, die Banater Schwaben oder auch Donauschwaben genannt. Die Vorfahren der heutigen Banater Schwaben kamen im 18. Jahrhundert auf Wunsch des Hauses Habsburg aus der Moselgegend, der Pfalz, Elsass-Lothringen und Bayern in drei Siedlungswellen hierher. Neben den Siebenbürger Sachsen und den Banater Schwaben gibt es in Rumänien an deutschstämmigen Minderheiten noch die Sathmarer Schwaben, die Bukowina- und die Dobrudscha-Deutschen.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts lebten in Rumänien rund 700 000 Rumäniendeutsche. Heute gehören der deutschen Minderheit in Rumänien nur noch zirka 60 000 Menschen an. Nach Jahrhunderten der friedlichen Koexistenz begannen die Probleme in der Zeit zwischen den Weltkriegen. Zum einen schlossen sich viele Rumäniendeutsche ab 1931 nationalsozialistischen Strömungen an oder ließen sich zum Teil für die SS rekrutieren. Zum anderen holten die Nationalsozialisten bereits zu Kriegsbeginn 1939 Zehntausende Rumäniendeutsche, besonders aus der Bukowina und Debrudscha, „heim ins Reich“ nach Deutschland. Nach der Eroberung ieser Gebiete durch die Sowjetunion 1944 wurden rund 70 000 Rumäniendeutsche in die UdSSR verschleppt und mussten Zwangsarbeit leisten. Die in Rumänien Gebliebenen hatten unter Zwangsumsiedlungen und Enteignungsmaßnahmen zu leiden. Zwar kamen die Rumäniendeutschen später in den Genuss einer weitgehend toleranten Minderheitenpolitik in Rumänien, hatten aber unter der zunehmenden Armut im Land zu leiden. Das Wirtschaftswunderland Deutschland wurde für viele zum begehrten Ziel, und Deutschland unterstützte Ausreisewillige nach Kräften: 1978 vereinbarte die Bundesrepublik Deutschland mit Rumänien die Ausreise von zunächst rund 10 000 Personen pro Jahr. Ab 1982 zahlte sie 8000 DM pro Rumäniendeutschen, der ausreisen durfte, an die Regierung in Bukarest. So kamen in den 70er und 80er Jahren insgesamt rund 240 000 Rumäniendeutsche nach Deutschland. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs 1989 kam es dann zu einem richtiggehenden Exodus der Rumäniendeutschen nach Deutschland. Allein 1990 verließen 111 000 Rumäniendeutsche ihre Heimat. Heute stellen sie in Deutschland mit einem Anteil von 12 Prozent an allen Aussiedlern eine der größten Aussiedlergruppen dar.

Rund 154 000 Rumäniendeutsche, die in die Bundesrepublik kamen, siedelten sich in Bayern an, das enge Beziehungen zu Rumänien pflegt: So hat Bayern eine bayerisch-rumänische Regierungskommission eingerichtet, deren Ziel die Intensivierung der Zusammenarbeit ist. Wichtige Bereiche der Kooperation sind die Bekämpfung von organisierter Kriminalität und internationalem Terrorismus, der Umweltschutz, Informationstechnologien sowie Bildung und Wissenschaft (Lehrerhospitationen, Stipendien für rumänische Hochschulabsolventen etc.). Außerdem wird die wirtschaftliche Zusammenarbeit gezielt gefördert. Auch werden Projekte zur Unterstützung der deutschen Minderheit in Rumänien durchgeführt.

Die in Rumänien verbliebenen rund 60 000 Deutschstämmigen sind im „Demokratischen Forum der Deutschen in Rumänien“ (DFDR) mit Sitz in Hermannstadt organisiert. Das DFDR stellt einen Abgeordneten im Parlament. Seit 1990 hat Deutschland die deutsche Minderheit in Rumänien mit insgesamt rund 100 Mio. € unterstützt. Heute ist die Aussiedlerzahl nur noch sehr gering: 2003 kamen lediglich 137 Rumäniendeutsche nach Deutschland.

Dr. Heinz Gmelch
Wandzeitung “Gesellschaft und Staat” 1/2005
Rumänien

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