Der Meister und seine 70 Leute

Dieser Artikel erschien 1982 in der Temeswarer Banater Zeitung

DER MEISTER UND SEINE 70 LEUTE

MICHAEL POMMERSHEIM VERANTWORTET FÜR DIE ELEKTRISCHEN EINRICHTUNGEN IM ARADER ÖFFENTLICHEN PERSONENTRANSPORT

Schon als Schuljunge wusste Michael Pommersheim, 46, welchen Beruf er erlernen würde. Nicht nur weil sein Vater Elektriker war und zu Hause an allerlei Geräte herumexperimentierte, sondern einfach, weil ihn der elektrische Strom faszinierte, weil er ahnte, dass die Arbeit mit elektrischen Geräten vielseitig sein kann. Er besuchte die Arader Fachschule und wurde als junger Absolvent dem öffentlichen Transportunternehmen zugeteilt. Hier fiel er durch seinen Wissensdrang auf und gehörte bald zu den zuverlässigsten Fachkräften. Seine Arbeitskollegen zogen ihn zu Rate, wenn komplizierte Probleme auftraten; und in diesem Beruf, wo der der technische Fortschritt stürmischen Einzug hielt, gab es immer wieder Fragen die ihrer Lösung harrten. Neuheiten reizten den jungen Elektriker und spornten ihn zur Vervollkommung seiner Fachkenntnisse an. Als 1952 im Neuarader Lyzeum mit deutscher Unterrichtssprache Abendkurse ins Leben gerufen wurden, nahm er die Chance sofort wahr. Sein Lieblingsfach hieß Physik, vor allem Elektrizität und Mechanik, wobei er immer wieder den theoretischen Stoff in der Praxis anzuwenden versuchte.

Michalel Pommersheim kam zu einer Zeit zum öffentlichen Transport, als dieser noch in den Kinderschuhen steckte. Die Straßenbahnlinie war gerade bis Neuarad verlängert worden und der Betrieb baute selbst die Straßenbahnen; jeder Arader erinnert sich noch, wie geräuschvoll diese durch die Straßen fuhren und mühsam über die Neuarader  Brücke schepperten. Heute sind diese Transportmittel bereits Museumsstücke, und Michael Pommersheim erzählt gerne aus fernen Zeiten, da die rudimentär gebauten Zugmaschinen immer wieder ausfielen und man nicht selten über die Arbeitszeit bleiben musste, um die Reparaturen durchzuführen, da man wochen-und monatelang als Elektriker auf den Dörfern herumfuhr, um bei der Elektrifizierungskampagne mitzuhelfen. Er war immer dabei, wenn es galt zuzupacken, keine Arbeit war ihm zu schwer, und er war immer dort, wo Hilfe gebraucht wurde. Allmählich lernte er den Betrieb und seine Leute bis ins kleinste kennen, es gab für ihn keine Geheimnisse mehr sowohl was den Bau der Straßenbahnen als auch was die Beschaffenheit der Leitungslinien, Relaisstationen usw anbelangt. Nachdem er das Lyzeum absolviert hatte, rückte Michael Pommersheim zum Techniker auf und es galt wieder zur Fachliteratur zu greifen. Heute ist er Meister im selben Betrieb, wo er vor rund 30 Jahren begonnen hat. Aber sowohl der Betrieb als auch der erfahrene Meister sind nicht mehr dieselben. Er hat inzwischen die Meisterschule absolviert und leitet praktisch die gesamte Tätigkeit im Bereich der elektrischen Einrichtungen im Unternehmen. 70 Leute sind ihm unterstellt, und diese führen Instandhaltungsarbeiten, Reparaturen und Investarbeiten durch. An den Zugmaschinen und am Stromspeichersystem treten Pannen auf oder gibt es Schwierigkeiten nachts, wird nicht selten der Meister von zu Hause gerufen. Dann kommt er gewöhnlich mit dem eigenen Wagen, um je rascher eingreifen  zu können.

Michael Pommersheim ist wie eine wandelnde Enzyklopädie des Betreibers: er kennt alle Einrichtungen, die zum Teil in der ganzen Stadt zerstreut sind, genau und weiß stets entsprechende Maßnahmen zu treffen.

Johann Bauer

Eingesandt von  Hildegard (geb. Pommersheim) u. Peter Leprich

Ein Gedanke zu „Der Meister und seine 70 Leute“

  1. Danke für die Einsendung und Veröffentlichung dieses Zeitungsartikels, es erinnert mich an die gemeinsame Zeit im Abendlyzeum. Michael war ein ruhiger, besonnener Zeitgenosse, den ich auch als Berufskollegen sehr zu schätzen lernte, zumal er mit seiner immensen Berufserfahrung immer gerne breit war bei Problemen – und die gab’s damals noch haufenweise – konkrete Lösungen auszuarbeiten. Danke Michael!

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